Gichenbachs Geschichte ...
Geschichten
Ein junger Wilddieb | Ein junger Wilddieb |
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| Geschrieben von Willi Vey | |
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Der Bauer Paulus Jüngert war Pächter der Gemeindejagd und ging schon lange einem kapitalen Rehbock im Rommerser Grund nach, konnte ihn aber nie erwischen. Sein 14jähriger Sohn, dem das Jägerblut auch bereits in den Adern schlug, hatte in Gesprächen schon oft von dem schönen Bock gehört. An einem Frühsommermorgen lag er im Bett und konnte nicht schlafen, er stand auf, nahm das Gewehr seines Vaters und schlich sich in Socken aus dem Haus. Im Rommerser Grund angekommen, traute er seinen Augen nicht, als der begehrte Bock, allerdings auf staatlichem Boden, vor ihm stand. Doch danach fragte der junge Jäger nicht. Er legte an und der Rehbock brach beim ersten Schuss zusammen. Voller Stolz und mit klopfendem Herzen warf er sich das Tier in den Nacken und machte sich eiligst nach Hause. Dort legte es den Bock unter die Bodentreppe, hing das Gewehr wieder an die Wand und legte sich ins Bett. Als sein Vater aufstand, war dieser nicht wenig erstaunt, sein lang gesuchtes Prachtstück unter der Bodentreppe zu finden. Er hatte seinen Sohn in Verdacht und stellte ihn zur Rede. Dieser lag noch mit wachen Augen im Bett und gestand gleich die Tat. Wenn er auch nichts davon sagte, dass er den Bock auf Staatsboden geschossen hatte, war es schon sträflich genug, als Vierzehnjähriger mit dem Gewehr los zu gehen. Später war er selbst Pächter der Gemeindejagd und erzählte gerne von seinem Jugenderlebnis. In späteren Jahren hatten Wirtshauskumpane beschlossen,dem Jüngert mal einen Streich zu spielen. Im Winter, als der Schnee lag und Hasen zur Jagd frei waren, setzten sie ihm einen aus Lumpen zurechtgemachten Mümmelmann hin. Sein Mitgänger und Mitwisser des Streiches, Karl Quillmann, machte ihn dann beim nächtlichen Pirschgang auf den vermeintlichen Hasen aufmerksam. Als Jüngert eine Ladung Schrott auf den Hasen abgefeuert und dieser sich nicht regte, meinte er: "Was, du willst nicht? Da hast du noch eine!" Daraufhin feuerte er den nächsten Lauf leer. Nach näherem Hinsehen stellte er fest, dass er auf eine Attrappe geschossen hatte. Der Mitwisser Karl tat ahnungslos. Am Wirtshaustisch wurde dann die Affäre zum besten gegeben und alle Anwesenden haben sich halb tot gelacht. Überhaupt wurde am Stammtisch manch Jägerlatein gesponnen und Wilddieb Geschichten zum besten gegeben. |
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