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Dort, wo die Rhön gen Himmel reckt die Häupter schroff und kahl, dort liegt, neugier'gem Aug' versteckt, ein einsam-lauschig Tal. Ein Tal, gleich einem Wunderland, so lieblich morgenschön, das ist, im grünen Waldgewand, mein stilles Tal der Rhön.
Vor Wind und Wettern halten dicht die Bergesriesen Wacht, an ihrer breiten Brust zerbricht der Stürme rauhe Macht. Nicht schallt hierher Parteienzank, des Weltlärms schrill Getön: Ein ewger Friede schwebt entlang dem stillen Thal der Rhön! Von steilen Felsenhängen springt der Quellen zahllos Heer, das schwatzt und murmelt, tanz und singt den Schlangenpfad daher. Und wo der Bach den Reigen führt, viel bunte Blumen steh'n, ein immergrüner Teppich ziert mein stilles Tal der Rhön. Auf hoher Bergeshalde prangt, noch immer stolz und kühn, von duftgem Sagenkranz umrankt, die alte Burgruin. Nicht mehr der frechen Ritterschar raubgierge Banner wehn: Ein Völkchen, fromm und treu und wahr, bebaut mein Thal der Rhön! Und wo das schmucke Städlein sich abhebt vom Wiesenrain, da blüht - ein Veilchen minniglich - die Herzensliebste mein. Gedenk ich deiner, ach! So rinnt der Wehmut heiße Thrän! Sei mir gegrüßt,mein süßes Kind, mein Lieb im Thal der Rhön! Nun stürm ich ohne Rast und Ziel durchs wilde Leben hin, doch du, mein holdes Tal Idyll, kommst mir nicht aus dem Sinn! Und nächtlich, wenn mich flieht die Ruh, steigt heiß empor mein Flehn: „O Himmel, schirm und segne du mein stilles Thal der Rhön!“ Und will dereinst ich todeswund abtun die Erdenqual, so führt, o Freunde, mich zur Stund in mein geliebtes Tal! Noch einmal seh im Abendgold ich schimmern rings die Höhn, dann zahl ich froh den letzten Sold: „Leb wohl, mein Thal der Rhön!“ Julius Türck
aus "unsere Heimat Gichenbach" 1986 (auch in "Allgemeines Deutsches Kommersbuch ", 1858) |