| 20. Jahrhundert - Neuzeit 1920 - 1939 |
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| Geschrieben von Willi Vey | |
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1920 wurde vom damaligen Bürgermeister Müller der erste Antrag auf Straßen- und Brückenbau gestellt. Gichenbach besaß bis dahin keine befestigte Straße und keine Brücke über die Bachläufe. Es existierten nur ein Steg und eine Furt an der Stelle des heutigen Feuerwehrgerätehauses. Bei Hochwasser war der Bach (die Schmale) oft nicht passierbar. So konnten die Kinder jenseits des Baches bei Hochwasser nicht zur Schule oder umgekehrt nach Hause gelangen. In einem Beschwerdebrief an den Gersfelder Landrat heißt es, daß bereits ein Schulkind bei Hochwasser ertrunken sie. Auch wird weiter berichtet, daß am 30 Dezember 1919 der Jude Lazarus Lump aus Schmalnau bei Hochwaser mit seinem Gespann gegen den Steg geschwemmt wurde und fast ertrunken sei. Nach zähen Verhandlungen und Beschwerden wurde endlich im September 1922 mit dem Brücken und Straßenbau begonnen. Die Steine hierfür wurden in Hand- und Spanndiensten aus dem Haderwald herbei geschafft. Doch während der Bauzeit kam die Inflation, das Geld verlor von Tag zu Tag an Wert. Bei einer Zwischenrechnung für den Brückenbau überschritten die Arbeitslöhne schon über 3 Millionen Mark und die Bauarbeiten mussten eingestellt werden. Die Arbeitslöhne betrugen in einer Woche 1 Million Mark, es mussten an gesamten Arbeitslöhnen 2 Billionen 139 Milliarden 289 Millionen 617 Tausend und 656 Mark (2.139.289.617.656 Mark) gezahlt werden. Die Steine von dem vorhandenen Steg wurden zum Bau der oberen Ruhbrücke verwendet. Im April 1923 war die Brücke trotz aller Schwierigkeiten fertig. Vor dem Strassenbau nannte man den schon vorhandenen Weg "engen Weg". Er war in einem sehr schlechten Zustand, so daß oft die Fuhrwerke stecken blieben. Zur damaligen Zeit wurde das gesamte Holz, das aus dem Haderwald kam, mit Pferde- und Kuhgespannen transportiert. ![]() Die Hütte An der Wirtschaft, genannt "Die Hütte", war dann für Mann und Gespann Rast, es wurde gefrühstückt, das Vieh gefüttert und getränkt. ![]() Zum grünen Tal Die neuere Gastwirtschaft "Zum grünen Tal" wurde 1915 von Reinhard Maul erbaut, vorher befand sie sich gegenüber (im heutigen Haus Lauer, Gichenbach 46). ![]() Kriegerdenkmal: Den Toten zu Ehren - den Lebenden zur Mahnung In späterer Zeit war die Gastwirtschaft im ganzen Land für gute Küche und Bedienung durch ihre Besitzerin "Berta" bekannt. Nach ihrem Tod 1974 verwaiste die Gastwirtschaft im Gichenbachtal. Am 28. September 1926 war der Brand am Ruhhof ein schlimmes Ereignis für Gichenbach. Es brannten 2 Wohnhäuser mit ihren Wirtschaftsgebäuden ab. Bei dem Wiederaufbau wurden kostenlos Hand- und Spanndienste von den Mitbürgern geleistet. Im Jahr 1927 wurde von dem damaligen Kriegerverein zu Ehren der 7 Gefallenen ein schönes Denkmal errichtet. Die Basaltsäulen wurden vom Hauckküppel bei Dalherda geholt. 1932 wird der Kreis Gersfeld aufgelöst und dem Kreis Fulda angeschloßen. Eine große Veränderung im Dorfleben der Gichenbacher brachte 1933 das elektrische Licht, Gichenbach zählte damals 335 Einwohner. So schön dies auch war und es für die Bewohner große Erleichterung brachte, so gingen aber hierdurch auch alte Bräuche, Gemütlichkeit und Romamtik verloren berichtet uns Willi Vey. Im Jahr 1936, unter der nationalsozialistischen Regierung, wurde das anfängliche Gerücht von der Anlage eines Truppenübungsplatzes bald Wirklichkeit. Hiervon waren 10 Häuser in Hintergichenbach mit 59 Einwohnern betroffen, Räumungstermin war der 1. Mai 1938. |
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